Viele unterschätzen das Anschreiben oder behandeln es als lästige Pflicht. Dabei ist es deine Chance, Persönlichkeit zu zeigen und einen roten Faden zwischen deinem Werdegang und der ausgeschriebenen Stelle zu spannen. Ein gutes Anschreiben ist kein zweiter Lebenslauf in Fließtext, sondern eine kurze, überzeugende Argumentation. Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie sie gelingt.

Vorbereitung: Stelle und Unternehmen verstehen

Bevor du den ersten Satz schreibst, lies die Stellenanzeige gründlich. Markiere die genannten Anforderungen und unterscheide zwischen Muss-Kriterien und Wünschen. Wirf anschließend einen Blick auf die Website und die Karriereseite des Unternehmens: Welche Werte werden betont, welche Sprache wird verwendet, welche Projekte sind aktuell? Aus diesen Informationen entsteht das Material, mit dem du dein Anschreiben individuell und glaubwürdig machst.

Die richtige Struktur

Ein Anschreiben passt auf eine Seite und folgt einem klaren roten Faden. Bewährt hat sich dieser Vierschritt:

  • Einstieg: ohne Floskeln direkt zur Sache – warum diese Stelle, warum dieses Unternehmen?
  • Hauptteil: zwei bis drei passende Qualifikationen, jeweils mit einem konkreten Beleg.
  • Bezug zum Unternehmen: zeig, dass du dich mit dem Arbeitgeber beschäftigt hast und warum du gerade dort arbeiten möchtest.
  • Abschluss: ein selbstbewusster Ausblick auf ein Gespräch, gegebenenfalls mit Hinweis auf deine Verfügbarkeit und Gehaltsvorstellung, falls erbeten.

Ein überzeugender Einstieg

Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. Verzichte auf abgegriffene Formeln wie „hiermit bewerbe ich mich auf Ihre Stellenanzeige“ und steige stattdessen mit deiner Motivation, einem konkreten Bezug oder einem passenden Erfolg ein:

„Als Sie Ihr Team um eine Position im Projektmanagement erweitert haben, habe ich nicht lange überlegt – genau hier möchte ich meine Erfahrung aus fünf Jahren Teamkoordination einbringen.“

Sprich, wenn möglich, eine konkrete Ansprechperson mit Namen an. Findest du keinen Namen in der Anzeige, lohnt oft ein kurzer Blick auf die Unternehmensseite oder ein höflicher Anruf. Ist niemand zu ermitteln, ist „Sehr geehrtes Team der [Abteilung]“ eine saubere Alternative – „Sehr geehrte Damen und Herren“ wirkt dagegen unpersönlich.

Den Hauptteil mit Belegen füllen

Im Hauptteil greifst du zwei bis drei Anforderungen aus der Stellenanzeige auf und zeigst anhand konkreter Beispiele, dass du sie erfüllst. Die Formel dahinter lautet: Eigenschaft plus Beleg plus Nutzen für den Arbeitgeber. Statt zu behaupten, du seist „kommunikationsstark“, beschreibst du eine Situation, in der diese Stärke sichtbar wurde – etwa die Moderation eines Workshops oder die erfolgreiche Abstimmung zwischen mehreren Abteilungen. So wird aus einer Behauptung ein nachvollziehbares Argument.

Do’s & Don’ts

  • Do: Auf die Sprache der Stellenanzeige eingehen und ihre Schlüsselbegriffe aufgreifen.
  • Do: Konkrete Beispiele statt allgemeiner Eigenschaften – „teamfähig“ überzeugt erst mit einem Beleg.
  • Do: Kurze, aktive Sätze verwenden und das Anschreiben luftig gestalten.
  • Don’t: Den Lebenslauf in Fließtext wiederholen – das Anschreiben ergänzt ihn, dopplet ihn nicht.
  • Don’t: Standardvorlagen unverändert verschicken. Ein erkennbar generisches Anschreiben fällt sofort auf.
  • Don’t: Übertreiben oder Dinge behaupten, die du im Gespräch nicht belegen kannst.

Form, Umfang und letzter Check

Halte das Anschreiben auf einer DIN-A4-Seite mit drei bis fünf Absätzen. Verwende dieselbe Schriftart und dasselbe Briefkopf-Layout wie im Lebenslauf, damit deine Unterlagen ein einheitliches Bild ergeben. Vor dem Versand gilt dieselbe Sorgfalt wie beim Lebenslauf: Korrektur lesen, Ansprechpartner und Firmenname doppelt prüfen und sicherstellen, dass keine Reste einer früheren Bewerbung stehen geblieben sind. Ein falscher Firmenname ist einer der häufigsten und vermeidbarsten Fehler.

Steht dein Anschreiben, lohnt sich ein Blick auf die allgemeinen Bewerbungstipps – damit du auch im weiteren Verlauf überzeugst.

Häufige Fragen zum Anschreiben

Wie lang sollte ein Anschreiben sein?

Maximal eine DIN-A4-Seite. Drei bis vier knappe Absätze reichen, um Motivation, passende Qualifikation und den Bezug zum Unternehmen unterzubringen. Wer kürzt, zwingt sich zum Wesentlichen.

Braucht man heute noch ein Anschreiben?

Auch wenn manche Unternehmen darauf verzichten, ist ein gutes Anschreiben weiterhin deine beste Gelegenheit, Motivation und Persönlichkeit zu zeigen. Solange es nicht ausdrücklich unerwünscht ist, lohnt sich ein individuell formuliertes Anschreiben.

Wie beginne ich ohne bekannten Ansprechpartner?

Versuche zunächst, die zuständige Person über die Stellenanzeige, die Website oder einen kurzen Anruf herauszufinden. Gelingt das nicht, ist „Sehr geehrte Damen und Herren“ korrekt – besser als eine falsch geratene Anrede.

Kann ich ein Anschreiben mehrfach verwenden?

Eine Grundstruktur ja, den Inhalt nein. Bezug zum Unternehmen, zur Stelle und zu deinen passenden Stärken solltest du jedes Mal anpassen. Ein erkennbar generisches Schreiben fällt sofort negativ auf.